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Sonntag, 27. Juni 2021, 19:02

Digitalisierte Bestände der Abteilung Militärarchiv

Hallo zusammen,
ich habe bisher sehr viele, gute Erfahrungen hier im Forum gemacht. Eine Sache, die mich jedoch irritiert, ist, dass viele ihre Quellen wie ihren Augapfel hüten. Ich möchte daher meinen Teil dazu beitragen, die Situation besser zu machen. Ich habe mitbekommen, dass einige von euch Karten aus dem Archiv in Freiburg bezogen haben. Ich wollte euch darauf hinweisen, dass das Material inzwischen digitalisiert wurde und aktuell vom Bundesarchiv online zur Verfügung gestellt wird. Näheres dazu lässt sich hier finden. Sollte das hier schon bekannt sein, dann könnt ihr das ignorieren. Ich habe allerdings den Eindruck, das ist den meisten Forumsteilnehmern neu.

Was den Westwall angeht, da gibt es wohl mehrere Kartenbestände (wer mehr darüber weiß, darf mir gerne mehr dazu sagen):
* RH 11/III (siehe hier )
* Kart 932-9 (siehe hier )

Das zuletzt genannte Kartenmaterial ist besser zu lesen, aber nicht immer korrekt, wie ich feststellen musste. Also im Zweifelsfall auch einen Blick in die anderen Karten werfen. Eine Erklärung der taktischen Symbole kann man z.B. hier finden. Sollten die Karten mal nicht erreichbar sein, einfach ein paar Stunden später nochmal versuchen. Ich habe den Eindruck, dass die über's Wochenende nicht nur das Licht im Serverraum ausmachen, sondern auch noch den einen oder anderen Stecker ziehen...

Ich hoffe, das hilft dem einen oder anderen weiter! Viel Spaß beim Recherchieren!

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Sonntag, 27. Juni 2021, 19:47

Ich denke das hilft manchen hier. Die Karten sind von der Qualität deutlich besser als die Karten die im Umlauf sind. Und so können auch Neulinge direkt anfangen zu recherchieren ohne ewig rum zumachen bis jemand was raus rück

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Mittwoch, 30. Juni 2021, 11:40

Tatsächlich gibt es da 2 verschiedene Arten des "hinter dem Berg halten":
Einmal - und das ist sicher kritisch zu betrachten - ist es die gelegentlich zu beobachtende Einstellung seine hart erarbeiteten Erkenntnisse nicht teilen zu wollen um einen Ansehensvorteil aus dem Wissensvorsprung zu gewinnen. Das hilft freilich der Forschung wenig.

Die zweite Variante zielt weniger auf den Schutz der eigenen Daten, als viel mehr auf den der Anlagen selbst ab. Standortsbeschreibungen wurden stets sehr restriktiv ausgegeben, um die Besucherfrequenz und die damit verbundenen Probleme der Bauten gering zu halten. Trampelpfade locken auch Leute mit unlauteren Ansichten an, Vandalismus schadet den Anlagen, Verkehrssicherungsprobleme führen (mind.) zu Einzäunungen die dem Denkmalbild nicht förderlich sind.

Insofern ist die Zugänglichmachung der Karten durch das Militärarchiv auch eine fragliche Entwicklung, zumal hier Bauwerke oft mit ihrer Nummer angesprochen wurden. Bisher war die Beschaffung der Karten eine Schwelle die viele "Gelegenheitstäter" nicht willig waren zu überwinden, bzw. wenn man seine Karten hatte, fühlte man sich als Teil der Geheimnisträger und verband damit mglw. ein Gebot zum pfleglichen Umgang mit der Materie.
Womöglich war das der Grund, weshalb die schon länger digital vorliegenden Karten hier nie groß angepriesen wurden.
Allerdings ist die Bereitstellung der ja in Allgemeinbesitz befindlichen Dokumente sicher besser zu bewerten als der Weiterverkauf derselben mit oft fragdwürdiger Rechtmäßigkeit.

Da mir schon mind. 6 Versionen bon Westwall-Atlanten untergekommen sind, drängt sich auch mir die Frage auf:
Wo bekommt man die Karten, die in rot die geplanten Bauausführungen zeigen und wo die Blätter, auf denen der Regelbautyp neben jedem Standort vermerkt ist?
Nur über die bekannten amerikanischen Anbieter, oder schlummern diese auch in Deutschen Archiven?


Ein Mitarbeiter des BAMA äußerte sich mir gegenüber einmal bezüglich der Serverfunktion dergestalt, dass wohl schlicht die Zugriffe an Wochenenden exponentiell stiegen.
Je nach Tageszeit ist der Zugriff auch da gut möglic

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4

Donnerstag, 8. Juli 2021, 00:25

Zitat

Wo bekommt man die Karten, die in rot die geplanten Bauausführungen zeigen und wo die Blätter, auf denen der Regelbautyp neben jedem Standort vermerkt ist?
Nur über die bekannten amerikanischen Anbieter, oder schlummern diese auch in Deutschen Archiven?


Die Karte mit den geplanten Anlagen in rot mit Baustand 25.03.1940 dürfte es nur in Amerika geben, zumindest liegen die tischgroßen Originale dieser Karten in Washington.

Blätter mit einem Regelbautyp neben jedem Standort habe ich noch nicht flächendeckend gesehen. Im RH 11-III ist dort der Fall, wo der Fest.Pi.Stab 23 gebaut hat, also nördlich von Minden bis Ormont.
Für andere Fest.Pi.Stäbe habe ich das bisher nur ein Ausnahmefällen und für sehr kleine Abschnitte gesehen, auf speziellen Baustandskarten oder Planungskarten, aber wirklich nie flächendeckend.
Nach der Sprengung sind alle Bunker gleich.

Die Anderen stehen im Saarland

5

Donnerstag, 8. Juli 2021, 18:40

Super, vielen Dank für die fundierte Antwort. Ich hatte in der Ecke schlichtweg noch nicht in die Karten geschaut. Solche kleinen Extravaganzen gib es ja öfter mal, bei Saarburg (11-III) sehen die Marker der Anlagen ja auch recht "individuell" aus.

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6

Donnerstag, 8. Juli 2021, 21:09

Super, vielen Dank für die fundierte Antwort. Ich hatte in der Ecke schlichtweg noch nicht in die Karten geschaut. Solche kleinen Extravaganzen gib es ja öfter mal, bei Saarburg (11-III) sehen die Marker der Anlagen ja auch recht "individuell" aus.


Ja, das sieht durchaus nach einer sehr eigenen Nomenklatur aus, aber tatsächlich lassen sich durch die Nummerierung der Bauwerke im Bereich des Fest.Pi.Stab 13 viel genauere Infos übernehmen.

Es scheinen sich die Festungspionierstäbe Ende 1936/Anfang 1937 einig gewesen zu sein, dass die Bauwerke nach der Nomenklatur "Buchstabe des Fest.Pi.Stabs + Baujahr + Bauwerknummer" zu bezeichnen sind.
Beim Fest.Pi.Stab 13 haben wir durchgehend dreistellige Bauwerksnummer. Beim Fest.Pi.Stab 2 hat man an das Baujahr nur ein- bis zweistellige Nummern angehangen, deren Reihenfolge räumlich wenig Sinn ergibt. So ist beispielsweise die höchste mir bekannte Baunummer eines 1937er Baus im Bereich des Fest.Pi.Stab 2 die Anlage B 3772 bei Merzig. Saaraufwärts ab Beckingen ziehen sie sich einigermaßen chronologisch und enden mit B 3742 in Völklingen. Die nächste Anlage befindet sich dann mit der Nummer R37101 in Luisenthal.
Auffällig ist, dass die 1936er Bauten in die chronologische Zählung einbezogen sind, es also bei den bei den Ziffern nach dem Baujahr keine Überschneidungen gibt.

Kurioserweise trifft dies auch auf den Fest.Pi.Stab 13 zu, der die Nummernbereich von 0-99, 100-199, 500-599, 600-699 und 900-999 den 1937er Bauten zuweist, während die 1938er Bauten die Nummernblöcke 001-099, 200-299, 300-399 und 400-499 zugewiesen bekamen. Somit waren Überschneidungen innerhalb eines Fest.Pi.Stab aufgeschlossen, Fest.Pi.Stab.-übergreifend kamen sie aber durchaus vor. Mit der Zuweisung des Sauerabschnitts an den Fest.Pi.Stab 19 wurden die dortigen 1937er Bauten, welche bis dahin drei- bis vierstelligen Nummern hatten, umbenannt und der Nummernblock 300-399 für diese Bauten genutzt (so findet man sie heute auf den Stellungskarten). Tatsächlich umbenannt wurden auch nur die Bauten, deren Nummern nicht bereits fünfstellig waren.

Die meisten Festungspionierstäbe haben ihren Bestand nach dem Limes-Programm und dem Aachen-Saar-Programm neu nummeriert. Man nummerierte zu einem Zeitpunkt x (vermutlich 1939) zunächst chronologisch ab der Westgrenze eines Fest.Pi.Stab-Abschnittes. An der Grenze jeder Überwachungsgruppe sprang man in einen nachfolgenden Hunderterblock. Aus irgend einem Grund hat der Fest.Pi.Stab 13 das nicht gemacht. Dort hat man die Nummerierung mit Baujahr+Nummer beibehalten, das Limesprogramm mit Li. (Limes) oder Mu. (Mannschaftsunterstand) + laufende Nummer gekennzeichnet und nach Limes schließlich wieder auf Baujahr+Nummer gewechselt. Dann gibts noch viele weitere spezielle Signaturen über die ich mich früher immer furchtbar aufgeregt habe, die ich heute aber zu schätzen weiß.
Nach der Sprengung sind alle Bunker gleich.

Die Anderen stehen im Saarland

7

Freitag, 9. Juli 2021, 23:43

Danke Dir! Mir geht es da so, wie es Dir einmal erging. Auch wenn ich das hier lese, ehrlich gesagt. Aber ich finde Deine Sicht auf die Dinge schön. Diese nur anfänglich verwirrende Fülle an Information ist ja eben genau das: Eine Fülle an information! Ich habe heute noch ein wenig mehr in den Karten gelesen. Und tatsächlich sogar LVZ-Bauwerke in bestimmten Abschnitten gefunden. Diese sind als solche über die Kürzel Pz, F, U etc. kenntlich gemacht, die ja den Bauformen der LVZ entsprechen. Sogar die Infrastruktur der Wasserversorgung ist dabei. Wie schön, dass immer wieder so viel neues direkt vor der (digitalen) Tür auftaucht. Ich bin positiv überrascht muss ich sagen :)